Der letzte Monat hat meine Untersuchung zugespitzt und die Fragestellung grenzt sich nochmals ein: Welche visuellen Strategien eignen sich, um Unsicherheit und Wissenslücken in Daten nicht zu verschleiern, sondern sichtbar zu machen? Das Potenzial sehe ich vor allem in der kontextuellen Ebene, darin, was über die Entstehung und Unsicherheit von Daten kommuniziert werden könnte. Ich beginne mit weiteren Experimenten, bevor ich ein konkretes Thema wähle.
Experiment: Kontext
In zwei weiteren Experimenten untersuche ich, wie ich als Gestalterin den Verarbeitungsprozess von Daten ersichtlich machen kann. Wörter aus Postern werden mittels KI ausgelesen und deren Häufigkeit ausgegeben. Was wurde genau ausgelesen und was nicht, und was geht beim Auswerten verloren, noch bevor die Darstellung beginnt?
Hier dreht sich die Richtung um: Nicht ich scrappe die Daten, sondern der User gibt sie selbst ein. Häufige Wörter werden gezählt und grösser, dicker oder hierarchisch angeordnet. Man kann ahnen, wie ausgewertet wird, aber man weiss es nicht genau, und die Visualisierung ist teilweise rein ästhetisch. Der Kontext geht stückweise verloren, je mehr man sich von der ursprünglichen Eingabe entfernt. Es zeigt sich, dass Gestaltung sowohl transparent machen als auch verschleiern kann, was hinter einer Auswertung steckt.














Thema und Recherche
Der KI-Wasserverbrauch interessiert mich als Anwendungsbeispiel, weil die Daten lückenhaft, oft nicht öffentlich zugänglich sind und grösstenteils auf Schätzungen basieren. Genau das macht das Thema für meine Fragestellung relevant. In den folgenden Wochen recherchiere ich: Wie viel Wasser verbraucht KI, und warum? Ich lese Artikel von Journalisten, schaue mir Statements von Unternehmen an und untersuche die Situation in der Schweiz. Dazu entstehen erste Skizzen, um den abstrakten Zahlen eine Form zu geben, mit Vergleichen wie Badewannen oder Flaschen. Schnell wird klar, dass die Zahlen widersprüchlich sind und stark von Quellen, Parametern und Perspektiven abhängen. Auf allen drei Ebenen der Reduktion, quantitativ, formal und kontextuell, herrscht wenig Transparenz. Diese Erkenntnis begleitet mich bis zum Ende der Arbeit.






Visuelle Sprache
Welche visuelle Sprache eignet sich, um den versteckten KI-Wasserverbrauch darzustellen? Als ersten Ansatz kartiere ich Schweizer Rechenzentren und stelle fest, dass viele in der Nähe von Seen und Gewässern liegen. Die Karte gibt geografische Information, sagt aber noch nichts über den Wasserverbrauch selbst aus. Sie zeigt, wo etwas ist, nicht wie viel.












Satellitenbilder wirken objektiv, sind aber auch eine Reduktion, ein Ausschnitt und eine Perspektive. Ich finde den Kontrast zwischen dieser scheinbaren Objektivität und der tatsächlichen Unvollständigkeit der Daten spannend. Ein Satellitenbild zeigt ein Rechenzentrum von oben, klar und greifbar, aber was darin passiert, bleibt unsichtbar. Ich gestalte Illustrationen, die Spuren des Wassers nachzeichnen, und teste den Kontrast zwischen diesen beiden Arten von Reduktion.







Nach der Zwischenpräsentation kam die Frage: Warum Wasser? Wasser kommt und geht. Die Frage zwang mich zu klären, was mich an diesem Thema wirklich interessiert. Es ist nicht das Wasser selbst, sondern die Tatsache, dass niemand weiss, wie viel davon verbraucht wird. Der Shift passierte langsam, von «ich verbrauche Wasser» zu «es verbraucht Wasser, und die Zahlen dazu existieren kaum». Die Ungenauigkeit ist nicht ein Problem des Themas. Sie ist das Thema.
Wissenszustände
Es geht nicht um einen exakten Wert oder eine präzise Zahl, sondern um das Wissen, das fehlt. Ich frage mich, ob das Bild selbst zum Informationsträger für Kontext werden kann, nicht durch eine Legende oder einen Fussnotentext, sondern dadurch, dass die Form selbst zeigt, was die Daten nicht sagen können. Das Ziel ist nicht, Klarheit vorzutäuschen, sondern die Unvollständigkeit sichtbar zu machen.
Verschwommene Formen sollen Spannweiten zwischen verschiedenen Quellen darstellen, ohne eine klare Linie oder einen exakten Wert vorzugeben. Insgesamt zeigen die Experimente, dass die visuelle Form Kontext tragen kann, nicht als Ergänzung, sondern als Teil der Aussage selbst.








Mit Punkten und Lücken, die Information wegnehmen oder abdecken, untersuche ich, ob eine Lücke selbst zur Aussage werden kann. Sie ist kein Fehler, sondern ein Hinweis darauf, dass etwas nicht existiert oder nicht zugänglich ist.








Ausblick: Juni
Das Thema steht. Nun geht es darum, diesen Unsicherheiten eine Form zu geben und sie erfahrbar zu machen.